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Nachruf Gerd Schenten

01.11.2016

Gerd Schenten ist verstorben

Ein Nachruf von Lupus 1466

 

Am 25. Oktober wurde Gerd über die letzte Linie geluvt.

Über Jahrzehnte bereicherte er die Regattaszene der O-Jollen.

Seinen Ruf 'Hömma, hömma' werden wir nun nicht mehr hören.

 

Ich lernte ihn in den frühen 70er Jahren am Möhnesee kennen.

Er tauchte mit einem Bekannten auf, um diesen beim Ankauf meines

Klepper Jeton zu beraten. Die Untersuchung der Jolle dauerte und dauerte.

Selbst die letzte Segelnaht wurde einer eingehenden Inspektion unterzogen.

Letztendlich fuhren beide zufrieden mit meinem Jeton zurück nach Essen.

 

Auf der Suche nach einem anderen Boot traf ich die alte Dame O-Jolle, verliebte mich in sie und erstand in Essen eine Sommerfeldschale, die von Dannhus & Fricke

ausgebaut worden war. Diese GER 831 bestand nur aus Holz und war einfach schön.

Irgendwann machte ich mich auf nach Essen, um dort meine erste Regatta zu segeln.

Wer lief mir daselbst über den Weg? Gerd Schenten! Er hatte das Segeln im Jeton aufgegeben und war in die O-Jolle gestiegen.

 

Seit jener Zeit segelten wir gar manche Regatta auf vielen Revieren.

Gerd war ein sehr fairer Segler. Wir kämpften hart, aber ohne Messer zwischen den

Zähnen. Abends wusste er viele Geschichten zu erzählen, die immer mit 'Hömma'

eingeleitet wurden. Am Niederrhein hätte man ihn wahrscheinlich einen 'Schwätzbömmes' genannt, aber seine Dönekes erheiterten die Runde.

 

Seine einzig wahre Edith war fast immer dabei. Meines Wissens nach musste sie nur

mal am Dümmer ernsthaft versuchen, ihren Gerd zu zügeln. Es war wohl eine

Meisterschaft. Nach dem täglichen Gerangel auf dem Wasser trafen sich die üblichen

Verdächtigen oben im Club am Tresen. Es wurde so ein süßer Likör getrunken mit einem Schuss Sahne obenauf, der noch mit Schokostreuseln verziert wurde.

Es wurden immer 17 bestellt und jede Runde wurde mit lautem Gebrüll 'Prost

Jungs---Prost Majestät!' gekippt. Man hört dieses Geschrei heute noch!

Gerd saß - eingerahmt von seiner Tochter und seiner Edith - mit am Tresen und trank

eifrig mit. Walter Watermann zupfte nach jeder Runde eine Nelke aus der Vase, die

vor ihm stand, futterte die Blume und stellte den Stiel wieder in die Vase. Der Wirt verzog keine Miene.

 

Am Ende hatten wir den Likörvorrat gelenzt und der Wirt kredenzte dann 'Bullen-

schluck', ein Gesöff, das man sintemals im Wilden Westen in Petroleumlampen

verbrannte. Gerd versprach dann, er wolle über den Tresen surfen und sich

zu seiner Koje verholen. Seine Edith drehte die Augen gen Himmel und versuchte,

ihren Gerd zu bremsen. Wohl mit Erfolg, denn der Tresen blieb heil und der Gerd

auch.

 

Am nächsten Morgen sah ich ihn wieder. Er ruhte auf einer Liege neben seiner

Jolle. Die Großschot hielt er fest in der Hand. Auf unsere Anfrage kam dann die

trockene Antwort: Hömma, ich brauche immer Kontakt mit meinem Boot.

 

Nie wieder erlebte ich ihn beduselt oder angetrunken! Vor einigen Jahren musste er dann doch Abschied nehmen von seiner Jolle. Die Last der Jahre ist unerbittlich.

Beweglich blieb er aber auch ohne Boot. Er fuhr eine Vespa und besuchte abends die

O-Jollies, um Neues zu erfahren und alte Geschichten zu erzählen... Hömma, weisse

noch???

 

Nun ist er nicht mehr unter uns.

Wir, die wir ihn kannten, werden ihn nicht vergessen.

Seiner einzig wahren Edith und den Kindern wünschen wir Kraft, um mit dem Verlust

zu leben.

 

Lupus 1466 / Wolfgang Munkenbäck

 

 

 
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