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Bericht Euro 2016 Italien Comer See

07.10.2016

Eurocup der O-Jollenklasse 2016 auf dem Comer See in Italien

 

Was lange geplant wurde, kann nur gut werden!

Nach teils ussels Wetter in Ratzeburg, freuten wir uns auf T-Shirt Wetter, segeln in kurzer Hose und Wärme! Vor allem Wärme – man wird nicht jünger! :-))

So ging´s nach Süden, Bella Italia wir kommen; und es kamen viele! Über 70 Boote machten sich auf den Weg über die Alpen. Reisewetter zunächst bedeckt, in der Schweiz strömender Regen, bei Ankunft im sonnigen Süden – wolkenbruchartiger Regen! War ich hier richtig! Holen wir doch mal etwas Wärmeres aus dem Kleiderschrank. Ansonsten – es konnte nur besser, vor allem trockener werden. Weil feuchter ging nicht!

Ankunft – man wusste wo der Verein war – man war ja schon mal da - man kannte sich aus! Direkt ins Regattabüro Startgeld von 175,-- Euro vorab überwiesen, Essenmarken kaufen für die Begleitung 45,-- Euro fürs Galadinner, 160,-- Euro Stellplatzgebühren für den Gemeindeplatz zahlen (alles mal eben aus der Hüfte dahingeblättert!), wichtige Unterlagen empfangen usw.! Boot abgestellt – die Organisation fiel über mich her. Da kam jemand mit einer Spraydose mit roter Farbe auf den Monaco zugelaufen. Zunächst Fragezeichen im Hirn!? Was wird das denn? Ich wurde nach meiner Bootstellplatznummer gefragt. Sie lautete 215 – an den Mast geklebt, mit der Spraydose 215 auf den Asphalt gesprüht, die Räder rechteckig mit Sprühlack auf dem Boden markiert, Donnerwetter! Hier hatte mein Boot für die nächsten 6 Tage zu parken – und nur hier! Aha!

Wie sich im Laufe der Veranstaltung rausstellte kaum war man am Steg, stand der Slipwagen schon im Wasser! Der Sinn der Stellplatznummern am Mast und auf dem Boden. Hatten wir so noch nicht erlebt, aber grandios!

Dann auf zum Gemeindeparkplatz unser Womostellplatz!! Ein einfacher Parkplatz, asphaltiert, für unsere Wohnmobile freigehalten. Eine an einem Geländer flux montierte Verteilerstation, passend für sechs Stecker, das war´s auch schon. Wasser, Duschen und Toiletten, Fehlanzeige! Das zum Thema Stellplatz mit den dazugehörenden 160,-- Euro für die Gemeinde! Ok – Regattasegler sind leidensfähig! Die holl. Wohnmobilisten hatten einen anderen Stellplatz, nahe am Wasser gelegen. Doch dies war eine Zufahrt zu einem großen Hotel, einerseits wurde verboten die Markisen auszufahren. Andererseits befanden sich die Dächer der Mobile in gleicher Höhe wie die vielbefahrene Hauptstraße des Ortes. Da spielten sich nächtliche Autorennen ab und auch sonst ließ man die Dachluken besser geschlossen.

Es soll Menschen geben, die schon mal über ein Straßengeländer auf Wohnmobile pinkeln!! Auch hier Toiletten und Duschen Fehlanzeige – doch gleicher Preis – 160,-- Euro!

Die Anderen gingen dann doch direkt auf den Campingplatz! Er war nur 8 Kilometer entfernt! Mit dem Fahrrad ziemlich weit, plus einer gefährlichen Tunnelpassage. Wir kamen zu dem Schluss, unser Stellplatz war so ziemlich das Letzte für das viele Geld, aber in der Nacht wenigstens totenstill! Mit den Rädern waren wir in knapp 3 Minuten auf der Toilette und unter der Dusche! Also – machbar! Andere Länder, andere Sitten! Daggi und ich schauten uns an, na ja, dann isset so !!!

Am nächsten Morgen keine Wolke am Himmel, italienischer blauer Himmel und Sonne im Überfluss! So hatten wir es uns gewünscht!

Nach dem Frühstück zur Kontrollvermessung. Mein Gott was sind unsere Boote schon kontrolliert worden, egal – nächste Kontrolle und alles ist gut!

Danach der Blick auf den See! Die erste Entschädigung für alles. Sehr viel Wasser, sehr viel Sonne und eine Gesamtatmosphäre – wie immer grandios!

Wer noch krabbeln und segeln kann, zudem noch Besitzer einer O-Jolle ist, sollte sich so etwas in Zukunft nicht entgehen lassen!!

Ach ja – auf zum Segeln! 11 Läufe waren ausgeschrieben und sie wurden alle gesegelt. Morgens wie immer Flaute und Nachmittags Wind zum Hängen! Mein Gott was wollen wir mehr? Der Hängewind war dann Wind bis max. 3,5 Bft., kein so richtiger Männerwind, aber trotzdem klasse! Selbst Kenterungen soll es gegeben haben!!

Die ersten Läufe verliefen – speziell für mich – irgendwie kurios. Nachdem was da auf der Meldeliste stand, war klar, hier kann man sich sehr schnell im Bereich vom 10. – 20. Platz wiederfinden. Mir fiel zumindest bei den Holländern kein Spitzenmann ein, der fehlte! Der Traum - und träumen kostet ja nix, unter den ersten 10 hier zu enden war erst mal weit weg!

Um so überraschter war ich, als der 1. Tag der Rennen begann und ich im ersten Lauf lediglich hinter einem Herrn Krom und dem lieben Olaf Wahrendorf herfuhr! Als 3. den ersten Lauf zu beenden, - kurios! Im 2. Lauf wechselten die Führenden. Doch auch hier waren da nur zwei die ich durchlassen mußte. Den späteren Vizemeister und unseren ewigen Crack Knut Wahrendorf – wieder 3.! Mein Gott, konnte das alles so richtig sein? Den dritten Lauf an diesem Tag endete für mich an 2. Stelle hinter Stefan de Vries! Jetzt wurde mir langsam Angst und Bange! Bei der Masse und der Klasse an dort segelnden Sportfreunden, stand ich abends mit 8 Punkten an erster Stelle! Für mich irgendwie nicht wahr!!

Klar kamen noch 8 Rennen und wahrscheinlich viele Punkte auf mich zu!? Doch zunächst war einfach mal ein wenig freuen angesagt! Glauben konnte ich das sowieso nicht so richtig. Selbst nach sechs Rennen, stand ich noch ziemlich weit oben, an 2. Stelle! Unglaublich! Alles was bis dahin gelaufen war, stellte die erwarteten Ergebnisse auf den Kopf. Nicht nur bei mir – bei anderen ebenso. Unser Präsi war mir oft genug auf den Fersen und tummelte sich in meiner Nähe, dann war er wieder weg. Harry Voss – der nun wirklich flott unterwegs war in den letzten Jahren, sammelte Punkte für zwei Meisterschaften! Warum, selbst er hatte nicht so eine richtige Erklärung. Einzige Erklärung von ihm, - scheiße gesegelt! Lieber Harry, ich kenne so etwas zu genüge!

Doch die Rennen kamen, bei denen auch ich Punkte sammelte, gnadenlos! Aus den Massenstarts immer heil heraus zu kommen, war eben nicht möglich. War man zwanzigster am ersten Fass, dann war das Rennen eigentlich schon gelaufen, da die Läufe nicht lang genug waren und die Zeit nicht reichte, um noch einmal richtig aufzuholen! Doch ich fummelte mich irgendwie da durch! Die beiden letzten Läufe waren ziemlich entscheidend. Ich war zwar nicht ganz vorne, aber richtig schlecht auch nicht. Auch Punkte gab es mehr als ich wollte! Ausschlaggebend war der 10. Lauf! Die drei Meisterschaftsaspiranten vor mir, Stefan de Vries, Ono Yntema und Thies Bosch hatten alle drei Frühstart und waren rausgeflogen. Jetzt versuchte ich zu rechnen, ging aber nicht mehr – Übersicht verloren! Auch der letzte Lauf war kein richtiges Erfolgserlebnis für mich --- doch jeder hatte jetzt zwei Streicher, was die Liste richtig durcheinanderwürfelte!

Ja, es war schon knapp, doch ein Punkt reicht, oder?? Nach elf Rennen, mit 60 Punkten auf der Liste zu stehen, das war schon ein Hammer. Gesamtdritter – und wer mir alles auf die Schulter klopfte! Wie gesagt, alles weit weg von meinem Traum zu Beginn dieser Veranstaltung! Doch wie sagte Wille Lippert mal zu mir: „Rolli, wer regattasegelt ist vorm Sieg nicht sicher!“ Stimmt!

Zum Gesamtablauf auf dem Wasser. Das Flair ein Traum. Das Wasser warm. Wind genug und warm. Die Bahnen ok. Deren Länge ebenfalls. Drei Läufe hintereinander in Badehose und Schwimmweste – sonst noch was, mir fällt nichts weiter ein!

Was nicht ok war, war die Fairness untereinander. Zwischen mangelhaft und ungenügend! Es gab viele Proteste, -- viel zu wenige, da das Wort Wiedergutmachung, bzw.720 Grad, bei vielen einfach nicht mehr präsent ist. Ein Hauen und Stechen an den Bojen, keine Schiedsrichter die direkt zur Ordnung rufen! Da findet O-Jollen-Segeln zum Abgewöhnen statt! Die Spitze präsentierte mir ein alter Hase aus Zuidlaaren. Jahre war er nicht mehr dabei und hatte in meiner unmittelbaren Nähe erhebliche Probleme am Luvfass. Ich wies ihn darauf hin, das er noch Zeit hätte vor der nächsten Boje seine Kreise zu drehen. Keine Reaktion, keine Wiedergutmachung! Als ich ihn an Land ansprach, warum er als Uraltfuchs sich so etwas erlaubte, kam nur die Antwort: „Als ich mehrmals miterlebte wie heute O-Jolle gesegelt wird, ohne Rücksicht auf Verluste, gekringelt wird schon gar nicht mehr, hab ich mir gesagt, das machst du jetzt auch nicht!“ Auch er ist jetzt einer der Unfairen und bekennt sich hierzu!! Es geht das, was die Klasse einmal ausmachte, Stück für Stück den Bach hinunter! Ich teilte ihm lediglich mit, welch eine traurige Figur er in meinen Augen nur noch darstellt! Seine Antwort war nur – mit der Schulter zu zucken!! Wie armselig eine solche Einstellung, von einem Alten O-Jollen-Segler. In diesem Moment fand in mir nur noch Enttäuschung und leises Entsetzen statt.

Fair gesegelt wird nicht mehr und macht teils nur noch bedingt Spaß!! !

Selbst holländische Sportfreunde bestätigten mir, wie entspannt es noch bei uns in Deutschland zuginge. Dort zu segeln machte ihnen viel mehr Spaß! Klar ist, auch bei uns nicht immer alles Gold was glänzt, doch von dieser Segelei sind wir doch noch einiges entfernt!! Lasst es uns pflegen, solange es noch geht!

Zum Rest der Veranstaltung zur Organisation, noch einmal zurück-kommend! Die Org. an Land, mit den Booten, beispielhaft! Jedes Mal nach den Läufen Einlaufbier für alle! Die Buffets – leider zu hochpreisig für die Begleitungen, der Ruhetag wie früher - jeder konnte machen was er wollte, das Rahmenprogramm für die Frauen usw. – eigentlich alles gut!

Doch warum das alles und vor allem hier? Eigentlich wären die Italiener mit der Ausrichtung des Eurocup´s dran gewesen. Sie fühlen sich aber seit Jahren schon nicht mehr im Stande eine solche Veranstaltung auszurichten. Ok – es gibt einfach zu wenige von ihnen, die es für uns durchführen könnten. Doch eine Euro mal am Reschensee zu segeln, das Freude wäre mal ein Highlight! Da könnten sich selbst die wenigen verbliebenen Italienischen Sportfreunde noch beteiligen.

Die Infrastruktur ist dort komplett vorhanden. Die Kalterer Jungs brauchten sich nicht einmal viel zu bewegen. Nur ihre Boote da hinauftransportieren. Das aber bei ihrer eigenen, durch die Holländer veranstalteten Euro am Comer See nicht ein einziger von ihnen überhaupt teilnahm, ist schon bemerkenswert. So halten die holländischen Sportfreunde mit großem Einsatz die fünf O-Jollen-Nationen noch aufrecht. Wie lange noch??

Ob wir uns noch einmal am Comer See tummeln dürfen wer weiß es!?? Unterm Strich kann ich immer wieder nur danke sagen, für all das, was die holländischen Sportfreunde 1000 Kilometer von ihren heimatlichen Gefilden für uns da möglich machen. Selbst wir Deutschen schaffen das nicht – jedenfalls bisher nicht! Eigentlich schade!

 

.... und wieder der Dritte!

 

 

 

 

 
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